EME     Erde - Mond - Erde


Bisher (vor 2006) habe ich von meinem "Winter-QTH" aus mit einer 8-Element-Yagi Meteorscatter gemacht. Leider sind die Bedingungen für Meteorscatter gerade in den Wintermonaten ziemlich schlecht und nur wenige Stationen sind erreichbar. Mit dem gleichen Programm WSJT soll man aber auch "relativ einfach" EME machen können. Allerdings ist eine 8-Element-Antenne doch etwas zu klein dafür. Man benötigt wohl mindestens eine 17-Element-Antenne und 300 Watt, wenn man wenigstens die "big guns" mit mehr als 4 Langyagis erreichen will.

Als wir dann in Weinheim bei der UKW-Tagung waren, sprach ich mit Bernd, DH3VE aus dem Saarland darüber, welche "kleinste" Antenne er mir denn für EME in der Betriebsart JT65 empfehlen würde. Wie es der Zufall will, zieht er nächstes Jahr nach Neuseeland um und verkauft seine komplette Station einschließlich Antennen. Er bot mir seine 4x7-Element-Antenne an, selbst gebaut mit Dipolen von Tonna. Die Ausmaße von 2 x 2 x 2 Meter sind genau richtig für mich auf dem Garagendach in Spanien. Und so sagte ich zu, mir diese Antenne "nächste Woche" auf dem Weg nach Spanien abzuholen.

Dies taten wir. Die Antenne mit allen Boomteilen sowie neuen Anschlusskabeln und Anpasstopf passte noch in den Chevy, obwohl nun der Schlafplatz noch geringer wurde, da wir auch andere Geräte und eine neue Markise eingepackt hatten. Egal! Es hat gut geklappt und wenige Tage nach der Ankunft in Benitatxell hatte ich die Antenne auch schon aufgebaut. Sie wirkt ganz "niedlich" auf dem 6 x 6 m großen Dach des Unterstellplatzes.

Aufbau der Antenne

Bild 1: Aufbau der EME-Antenne auf dem Flachdach der Garage

Als Mastfuß wurde ein Ständer eines großen Sonnenschirms verwendet und der Fuß mit Betonsteinen beschwert, wie man es bei Kränen macht. Die Antenne hat nun auch schon den ersten Novembersturm überstanden.

Bild 2: Ausrichtung der Antennen

Bild 2: Ausrichtung der Antennen

Sowohl der Mastfuß als auch danach die Elemente des H-Trägers und die einzelnen Boomrohre wurden mit einer Wasserwaage ausgerichtet. Für die horizontalen Elemente konnte der Hintergrund (Meereshorizont) auch sehr gut verwendet werden.

Bild 3: Die Kabelführung Bild 3: Die Kabelführung

Mit dem Vertikalsteuergerät auf dem Dach wurde ausprobiert, ob die vielen Kabel beim Drehen der Antenne in vertikaler Richtung nicht irgendwo hängen bleiben.

Bild 4: Korrektur der Anzeige am Steuergerät


Bild 4: Korrektur der Anzeige am Steuergerät

Am Abend habe ich die Antenne genau auf den Mond ausgerichtet und die Anzeige im Programm mit der Anzeige auf dem Steuergerät verglichen. Es gab doch ein paar Abweichungen in der Linearität der Anzeige. Durch Aufkleben einer Papierskala konnte die Skala neu kalibriert werden.

Natürlich wollte ich die Antenne direkt ausprobieren. Am 8. Oktober hatte ich die letzte Steuerleitung für die Rotoren verlegt und die Richtungen ausgepeilt, als ich mich des Abends im Cluster meldete und fragte, ob jemand mit mir mal EME testen würde. Man ließ sich nicht lange bitten und nach einigen Experimenten waren zwei QSOs über den Mond erfolgreich. Am nächsten Tag meldete ich mich im Chat von ON4KST im Internet, kündigte an, dass ich auf 144.127 MHz von JM08 CQ rufen würde und dann hatte ich praktisch ein richtiges Pile-Up erzeugt und konnte 10 Stationen erreichen. Es geht wirklich mit "nur vier kleinen" Antennen von je 7 Elementen und 500 Watt Leistung. In der Betriebsart CW sind mindestens 4 Langyagis mit 15 oder 17 Elementen nötig und möglichst mehr als 1 kW Leistung.

Nun kann ich also bei schlechten Meteorscatter-Bedingungen auf EME ausweichen und den Locator JM08 sogar "weltweit" verteilen. Nach USA geht es allerdings von meiner Seite recht schwierig, weil der Berg, an dessen Hang wir wohnen, auf der Westseite noch weitere 150 m steil ansteigt. Der Mond muss noch mindestens 30 Grad hoch stehen, damit er nicht hinter dem Berg verschwindet. Bei dieser Steilheit aber kommen die Reflexionen nicht weit. Dennoch habe ich am 15.10. meinen ersten Amerikaner gearbeitet und danach noch einige mehr (Siehe unten!).

Für EME im JT65-Mode benötigt man eigentlich nur eine "DX-fähige" 2-m-SSB Station mit zirka 100 Watt und einer 15-Element-Yagi. Allerdings sollte die Antenne in der Elevation auch dem Mond nachgeführt werden können, denn sonst kann man nur in der kurzen Zeit des Mondauf- oder Monduntergangs Funkverbindungen durch Reflexion über den Mond herstellen. Eine sehr ausführliche Anleitung, wie man in EME QRV wird, findet man auf der Seite von EA6VQ (in Englisch) unter ea6vq.es.


Hier nur die "großen" DX-Erfolge, denn inzwischen habe ich schon zirka 50 Stationen erreicht.

Datum Call Locator max.*) Bemerkungen (Ant. PWR)
8.10.06 SM2ILF KP04 -19dB 6x16, 1 kW   - my first EME
9.10.06 RU1AA KP40 -16dB 4x15, 2 kW
9.10.06 UA4AQL LO20 -19dB 4x13, 1 kW
15.10.06 N0AKC EN44 -24dB 4x18, 1 kW   - my first USA
15.10.06 RA3AQ KO85 -16dB 6x6WLX, 1,5 kW
21.10.06 ES6RQ KO28 -15dB 8x17, 1kW
21.10.06 AA7A DM43 -20dB 6x13, 8877
22.10.06 AA9MY EN50   2x18
29.10.06 K2BLA EL99 -23dB 8x2,5WL
29.10.06 N9LR EN50 -19dB 4x8, 1,5kW
31.10.06 RK3FG KO86 -16dB  
31.10.06 W5UN EM23 -12dB im Lautsprecher hörbar!
31.10.06 KD3UY FM19 -21dB 2 x 4WL, 1,5kW
31.10.06 KB8RQ EM79 -12dB 8x19 - speaker copy

Die folgenden Verbindungen wurden ohne Vorverstärker (preamp ant) gemacht, weil dieser am 1.November "gestorben" ist :-((.

3.11.06 TK5JJ JN41   mit 16° Elevation
3.11.06 JH5FOQ PM63   Japan!!!!
3.11.06 UA9FAD LO88    
3.11.06 K9MRI EN70 -23dB°) 8xM², 1,2 kW
5.11.06 K5GMX FN31    
5.11.06 UA9SL LO71    
12.11.06 W7MEM DN17 -23 dB  
12.11.06 W0PT EM28 -23 dB  
         

*) max. Signalstärke unter Rauschen, je kleiner die Zahl, desto stärker das Signal
°) ohne Preamp


[1] Sehr gute Informationen über Skeds und Frequenzen bekommt man im Chat bei ON4KST. Dort zum EME-Chat (JT65) anmelden.

[2] Für USA oder Japan ist der Chat von N0UK noch besser.

© Eckart K. W. Moltrecht, DJ4UF