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Amateurfunklehrgang von Eckart K.W. Moltrecht

Morsen lernen

Weil man für die Amateurfunkprüfung keine Morsekenntnisse mehr nachweisen muss, wird #Morsen zu einer elitären Betriebsart. Wer Morsen kann, ist König. Wenn Sie ein Amateurfunkzeugnis der Klasse A haben und damals nur Morsen gelernt haben, um die Prüfung für die Kurzwellenlizenz machen zu können, dann aber nie mehr gemorst haben, sollten Sie diese brach liegenden Kenntnisse wieder auffrischen und dann einhundert Funkverbindungen in Telegrafie (CW) durchführen. Sie werden merken, wie viel Spaß es macht.

Telegrafie macht Spaß
Morsen ist so etwas wie eine Geheimsprache. Wenn man etwas Übung hat, kann man Morsen einfach so im Kopf mitlesen. Besucher in meinem Shack, die zuschauen und zuhören, wie ich mich mit anderen Funkern mit Hilfe der Morsezeichen unterhalten kann, sind fasziniert. Sie können nicht begreifen, wie man aus diesem Gepiepse ohne technische Hilfe Texte verstehen kann. Auch für sich selbst ist es ein Gefühl der Überlegenheit und des Hochgenusses, wenn man einfach ohne weitere Hilfsmittel, als nur den eigenen Kopf, eine digitale Betriebsart durchführen kann.

Die Telegrafie ist der Telefonie besonders dann überlegen, wenn keine günstigen Ausbreitungsbedingungen herrschen. Telegrafiezeichen kann man noch aus dem Rauschen heraushören oder mit schmalen Filtern herausfiltern und dann noch eine Nachricht übertragen, wenn es in SSB schon lange nicht mehr geht.

Ferner benötigt man für Telegrafie keine Fremdsprachenkenntnisse, weil der CW-Funkverkehr mit international festgelegten Abkürzungen erfolgen kann. Beispiel: "Ge dr frd es mni tnx fer call" bedeutet auf Deutsch: "Guten Abend lieber Freund und vielen Dank für den Anruf".

Außerdem ist diese Betriebsart durch standardmäßige Floskeln viel höflicher und freundlicher. Man bedankt sich für den Anruf, man bedankt sich am Schluss für die Verbindung und übermittelt immer die besten Wünsche. Für eine Telegrafieverbindung bekommt man häufig eine QSL-Karte, während diese Gepflogenheit in Telefonie so langsam ausstirbt.

Telegrafie ist außerdem die Pflege einer historischen Betriebsart. Im kommerziellen Schiffsfunk ist Morsen abgeschafft worden. Telegrafie ist vergleichbar mit Segeln. Man benötigt selbstverständlich Telegrafie für eine Übertragung von Textinformationen nicht, aber man kann sich mit diesen einfachen „Klopfzeichen“ bestens verständigen. Man kann ja mit einem Motorboot viel schneller und sicherer über einen See oder das Meer fahren, als mit einem Segelboot, das auf den Wind angewiesen ist. Trotzdem macht Segeln viel mehr Spaß. Lasst uns die Tradition des Morsens weiter pflegen!

Morsen lernen
Morsen geben zu lernen, ist nicht schwer. Aber bitte: Lernen Sie zunächst Morsen "nehmen", also das Hören der Morsezeichen und die Niederschrift. Denn Sie müssen lernen, die Zeichen ohne zu Denken, allein durch Hören des Rhythmus aufzunehmen. Wenn Sie erst das Geben lernen, werden Sie die Zeichen logisch lernen durch Merken von "lang - kurz - lang" und so weiter und werden dann beim Hören automatisch diese Logik einsetzen.

Damit kommen Sie aber nicht auf ein genügend hohes Tempo. Sie dürfen beim Aufnehmen von Morsezeichen nicht nachdenken. Deshalb lernen Sie bei einem Morselehrgang zunächst Morsezeichen, die einen total verschiedenen Rhythmus haben. Sie sollten also die Zeichen mehr raten, als durch logisches Denken aufschreiben. Ich habe es einmal erlebt, dass einer meiner Morseschüler sagte: "Heute bin ich total müde. Ich weiß nicht, ob ich heute teilnehmen kann". Und er hatte bei den Geschwindigkeitsübungen am Ende der Lektion die wenigsten Fehler. Er hatte wegen seiner Müdigkeit nicht mehr schnell denken können, sondern wirklich nur irgendetwas hingeschrieben und dennoch meistens richtig geraten.

Autofahrer haben im Laufe der Zeit gelernt, bei plötzlich eintretender Gefahr, ohne nachzudenken, automatisch auf das Bremspedal zu treten. Mit normalem Nachdenken und dann Entscheiden, reagiert man häufig zu spät. Um Morsen zu lernen, muss der Hörende einen bestimmten Rhythmus so verinnerlichen, dass er diesen Code ohne nachzudenken direkt als Zeichen auf Papier oder in die Computertastatur schreiben kann. Man nennt dies die "Koch-Methode". Tägliches Üben – am besten mehrmals am Tag – ist wichtig. Es genügen durchaus 15 Minuten in einer Sitzung.

Dieses Prinzip müssen Sie nun solange durchhalten, bis Sie alle Buchstaben beherrschen, denn es nutzt Ihnen gar nichts, wenn Sie nur die Hälfte der Zeichen beherrschen. Damit können Sie nicht die Hälfte der Morsetexte mitlesen, sondern gar keine. Es ist wie bei einem Schulkind, das erst dann Bücher lesen kann, wenn es alle Buchstaben beherrscht. Wenn Sie einen Morselehrgang beginnen, bleiben Sie mit eiserner Willenskraft so lange dran, bis Sie alle Buchstaben beherrschen. Dies dauert bei jungen Leuten manchmal nur vier Wochen, während ältere Menschen dafür möglicherweise ein halbes Jahr oder länger brauchen. Im Prinzip schafft es jeder, wie auch jeder in der Fahrschule irgendwann Autofahren lernt.

Erst danach lernen Sie Morsezeichen geben. Ich empfehle, direkt mit einer automatischen Morsetaste anzufangen. Diese Morsetaste hat ein oder zwei "Paddle". Drückt man mit dem Daumen das Paddle nach rechts, entstehen kurze Zeichen (Punkte). Drückt man mit dem Zeigefinger nach links, entstehen lange Zeichen (Striche). Nun müssen Sie doch noch lernen, aus welchen kurzen und langen Zeichen sich die einzelnen Morsezeichen zusammensetzen. Für den Buchstaben F (ditditdahdit oder kurz-kurz-lang-kurz) beispielsweise drücken Sie einen Moment mit dem Daumen nach rechts, ohne Pause mit dem Zeigefinger das Paddle nach links und wiederum ohne Pause nochmals sehr kurz das Paddle mit dem Daumen nach rechts. Die Geschwindigkeit der Morsezeichen lässt sich mit der automatischen Morsetaste einstellen. Nach wenigen Tagen der Übung werden Sie es schaffen, beliebige Buchstaben geben zu können.

Der Morselehrgang aus dem Klassenzimmer
Cd label
MP3 Morselehrgang von DJ4UF

In den 1970er-Jahren habe ich eine Amateurfunk-Arbeitsgemeinschaft an der Berufsschule in Aachen geleitet. Dort habe ich unter anderem regelmäßig Amateurfunk-Lehrgänge durchgeführt. Weil man für die Prüfung auch Morsekenntnisse nachweisen musste, habe ich natürlich den Schülern auch Morsen beigebracht. Diesen Morselehrgang habe ich übrigens selbst entwickelt.

Weil es gelegentlich vorkam, dass ein Schüler an einem Übungsabend nicht teilnehmen konnte, habe ich den Morsekurs damals auf Tonband aufgenommen, davon Kopien auf Disketten angefertigt und diese dem Schüler zum Nachholen gegeben. Daraus ist dann ein kompletter Morselehrgang entstanden, der später in das MP3-Format übertragen und als Morselehrgang aus dem Klassenzimmer auf CDs verkauft wurde. Nach diesem Lehrgang haben seitdem schon sehr viele Leute Morsen gelernt. Sie können sich im Folgenden die einzelnen Morselektionen entweder herunterladen oder den eingebauten Player nutzen und die einzelnen Lektionen direkt anhören. Natürlich ist dies alles kostenlos für Sie.

Hier die einzelnenen Lektionen des Morselehrgangs von DJ4UF

Download Audioplayer
Lektion 0
Lektion 1
Lektion 2
Lektion 3
Lektion 4
Lektion 5
Lektion 6
Lektion 7
Lektion 8
Lektion 9
Lektion 10
Lektion 11
Lektion 12
Lektion 13
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Lektion 18
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Lektion 20
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Lektion 23
Lektion 24
Lektion 25
Lektion 26
Lektion 27

Wenn Ihnen der Morselehrgang gefallen hat und Sie damit haben Morsen lernen können, lassen Sie es mich wissen! Kontakt: Siehe unten!